Alles zu viel

Der Wäschekorb ist voll, im Postfach liegen ungelesene Nachrichten, die Schule will einen Zettel zurück, Ihre Mutter wartet auf einen Rückruf, und
in der Arbeit ist gerade noch ein Projekt dazugekommen. Sie stehen in der Küche und wissen nicht, womit Sie anfangen sollen.
Dann fällt eine Tasse um, und Ihnen kommen die Tränen. Nicht wegen der Tasse. Weil alles zu viel ist.

Wenn Sie das kennen: Sie sind nicht zu empfindlich, und Sie haben nicht versagt. Überforderung ist ein Signal dafür, dass das, was von Ihnen verlangt wird, und die Kraft, die Sie gerade haben, nicht mehr zusammenpassen. In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie das erkennen, was im Alltag entlasten kann und wie wir Sie in unserer Praxis in Planegg unterstützen.
Sie müssen da nicht allein durch.

"Mir wird alles zu viel": Was Überforderung eigentlich ist

Überforderung entsteht, wenn mehr verlangt wird, als gerade an Kraft da ist. Das kann von zwei Seiten kommen:

Die Last ist gewachsen: Eine neue Aufgabe im Beruf, ein Elternteil, der Pflege braucht, ein Umzug, eine Trennung, ein krankes Kind. Oft kommt eines zum anderen, ohne dass etwas wegfällt.

Die Kraft ist weniger geworden: Schlechter Schlaf, eine Krankheit, anhaltende Sorgen oder eine seelische Belastung nehmen Reserven.
Dann wird ein Alltag zu viel, der früher gut zu schaffen war.

Der zweite Fall ist schwerer zu erkennen. Viele vergleichen sich mit früher und denken: Das habe ich doch immer geschafft.
Wenn Sie heute nicht mehr so belastbar sind wie vor einem Jahr, ist das kein Zeichen von Schwäche. Es ist ein Hinweis, dass sich etwas verändert hat.

Dazu kommt eine Last, die niemand sieht: an alles denken, planen, erinnern, vorausschauen. Diese Arbeit im Kopf steht auf keiner Liste und kostet trotzdem Kraft.

Woran Sie Überforderung im Alltag erkennen

  • Sie wissen nicht, womit Sie anfangen sollen, und fangen deshalb gar nicht an.

  • Kleinigkeiten bringen Sie aus der Fassung: ein Anruf, eine Frage, eine umgefallene Tasse.

  • Sie vergessen Termine, verlegen Dinge und müssen häufiger nachfragen.

  • Sie fangen vieles an und brechen es ab, weil die Kraft nicht reicht.

  • Pausen machen Ihnen ein schlechtes Gewissen. Oder Sie machen gar keine mehr.

  • Sie sagen Treffen ab, weil jede Verabredung nur noch ein weiterer Termin ist.

  • Ihr Körper meldet sich: Kopfschmerzen, Verspannungen, Schlafprobleme, Herzklopfen.

  • Sie haben das Gefühl, nur noch zu funktionieren.

Erkennen Sie mehrere Punkte bei sich wieder, und das seit Wochen? Dann sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber.

Wenn aus "Ich schaffe das alles nicht mehr" der Gedanke wird, nicht mehr leben zu wollen, warten Sie bitte nicht ab.
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall wählen Sie 112.

Was dahinterstecken kann

Zu viel über zu lange Zeit: Beruf, Familie, Pflege und Haushalt gleichzeitig, über Monate ohne echte Erholung. Das hält niemand unbegrenzt durch.

Erschöpfung und Burnout: Wer lange über die eigene Grenze gegangen ist, wird immer schneller müde.
Mehr dazu: Burnout und Erschöpfung und in unserem Beitrag Ständig müde und erschöpft.

Depression: Bei einer Depression kostet alles mehr Kraft: aufstehen, duschen, eine Mail beantworten.
Der Alltag ist derselbe, aber er fühlt sich an wie ein Berg. Mehr dazu: Depression bei Erwachsenen

Ängste und ständige Anspannung: Wer dauernd in Alarmbereitschaft ist, verbraucht Energie, die für den Alltag fehlt.
Mehr dazu: Angststörungen bei Erwachsenen

ADHS im Erwachsenenalter: Ordnen, planen und entscheiden, was zuerst kommt, fällt bei ADHS schwerer.
Mehrere Anforderungen gleichzeitig fühlen sich schnell an wie Chaos. Mehr dazu: ADHS bei Erwachsenen

Hohe Reizempfindlichkeit: Lärm, Licht, viele Menschen und ständige Unterbrechungen können so viel Kraft kosten, dass für Aufgaben nichts übrig bleibt.
Das kennen viele autistische Menschen. Mehr dazu: Autismus bei Erwachsenen

Körperliche Ursachen: Schilddrüse, Eisenmangel, die Folgen eines Infekts, hormonelle Veränderungen oder Schlafmangel können die Belastbarkeit senken.
Lassen Sie das ärztlich abklären.

Was bei Ihnen dahintersteckt, lässt sich aus der Ferne nicht sagen. Eine Diagnose stellen Ärztinnen, Ärzte oder Psychotherapeuten.

Warum "noch mehr anstrengen" nicht weiterführt

Wenn alles zu viel wird, liegt eine Lösung nahe: schneller arbeiten, später ins Bett, Pausen streichen. Das führt häufig in einen Kreislauf:

  1. Es ist zu viel, also sparen Sie Zeit, wo es geht.

  2. Gestrichen werden Schlaf, Bewegung, Essen in Ruhe und Zeit mit Freunden.

  3. Damit fällt genau das weg, was Kraft zurückbringt.

  4. Sie werden langsamer, vergessen mehr und machen mehr Fehler.

  5. Der Rückstand wächst, und es wird noch mehr.

Aus diesem Kreislauf führt selten mehr Anstrengung heraus. Meist braucht es weniger Last, mehr Erholung oder beides.
Das klingt einfach und ist es nicht, weil die meisten Aufgaben ja wirklich da sind.

Was im Alltag entlasten kann

  • Alles aus dem Kopf aufs Papier: Schreiben Sie auf, was ansteht, auch Kleinigkeiten. Solange alles nur im Kopf ist, wirkt es größer und kreist weiter.

  • Drei Stapel bilden: Was muss heute sein? Was hat Zeit bis Ende der Woche? Was kann warten oder ganz wegfallen? Der erste Stapel sollte höchstens drei Dinge enthalten.

  • Eins nach dem anderen: Ständiges Wechseln zwischen Aufgaben kostet Kraft. Machen Sie eine Sache fertig oder legen Sie fest, bis wohin Sie heute kommen.

  • Pause, bevor nichts mehr geht: Eine kurze geplante Pause erholt besser als eine erzwungene, wenn Sie schon am Ende sind. Prüfen Sie, was Sie wirklich erholt. Das Handy ist es selten.

  • Abgeben, absagen, Ansprüche senken: Was kann jemand anderes übernehmen? Was darf diese Woche weniger gründlich sein? Was fällt aus?

  • Einen Menschen einweihen: Sagen Sie einer Person, wie es Ihnen gerade geht. Viele warten damit zu lange, weil sie niemandem zur Last fallen wollen.

Wie ein einfacher Rahmen für den ganzen Tag aussehen kann, lesen Sie in unserem Beitrag Tagesstruktur bei Depression. Er ist auch ohne Depression hilfreich.

Ein kleiner Schritt für heute: die Zehn-Minuten-Liste

  1. Aufschreiben: Stellen Sie einen Timer auf zehn Minuten und schreiben Sie alles auf, was Ihnen im Kopf herumgeht. Ungeordnet, ohne Bewertung.

  2. Markieren: Welche drei Dinge müssen wirklich heute passieren? Nur diese drei.

  3. Streichen: Suchen Sie einen Punkt, der ausfallen oder warten kann, und sagen Sie ihn ab.

  4. Pause eintragen: Legen Sie zehn Minuten Pause fest, mit Uhrzeit.

Die Liste ordnet einen Tag. Sie ändert noch nichts daran, wenn seit Monaten zu viel auf Ihnen liegt oder Ihre Kraft nachgelassen hat.
Dafür lohnt es sich, genauer hinzuschauen, am besten nicht allein. Hier setzen wir an.

So unterstützen wir Sie in der Ergotherapie

In der psychisch-funktionellen Ergotherapie arbeiten wir an Ihrem tatsächlichen Alltag, praktisch und in Ihrem Tempo:

  • Überblick schaffen: Wir legen gemeinsam alles auf den Tisch, was Sie gerade tragen, und sortieren es. Oft wird dabei zum ersten Mal sichtbar, wie viel es ist.

  • Wichtiges von weniger Wichtigem trennen: Wir üben das Priorisieren an Ihrer echten Woche, nicht an einem Beispiel.

  • Belastung dosieren: Wir finden heraus, wie viel gerade geht, und steigern in kleinen Schritten. Ziel der Therapie ist, dass Sie Ihre Kraft besser einteilen können.

  • Pausen, die erholen: Wir planen Erholungszeiten so in Ihren Tag ein, dass sie auch stattfinden.

  • Die eigene Grenze früher bemerken: Sie lernen Ihre persönlichen Warnzeichen kennen, bevor nichts mehr geht.

  • Anspannung regulieren: Wir üben Entspannungsverfahren, die sich in den Alltag einbauen lassen.

  • Direkt dort, wo es hakt: Nach Absprache kommen wir zu Ihnen nach Hause und arbeiten an Ihrem Schreibtisch, in Ihrer Küche oder an Ihrem Papierstapel.

Und falls Sie fürchten, dass die Therapie nur ein weiterer Termin auf Ihrer Liste wird: Aufgaben für zu Hause stimmen wir mit Ihnen ab. Sie sollen Ihren Alltag leichter machen und nicht voller.

Bei uns begleiten Melli Stemmer und Theresa Braun Erwachsene mit Depressionen, Ängsten und ADHS. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Seite Burnout und Erschöpfung.

Neben Psychotherapie und Medikamenten

Steht hinter der Überforderung eine Depression, eine Angststörung oder ein Burnout, sind ärztliche Behandlung und Psychotherapie wichtig, manchmal ergänzt durch Medikamente.
Ergotherapie ersetzt das nicht. Sie ist ein weiterer Baustein, der im Alltag ansetzt: Während Sie auf einen Therapieplatz warten oder parallel dazu,
arbeiten wir mit Ihnen an dem, was jeden Tag ansteht.

Gut zu wissen

  • Kassenleistung: Ergotherapie wird ärztlich verordnet. Auch Ihre Hausarztpraxis kann das.

  • Schnell ein Termin: Bei uns warten Sie in der Regel deutlich kürzer als auf einen Psychotherapieplatz.

  • Hausbesuche: Nach Absprache kommen wir auch zu Ihnen nach Hause.

  • Noch keine Diagnose? Melden Sie sich trotzdem. Wir helfen Ihnen, Ihre Situation einzuordnen und den nächsten Schritt zu finden.

Häufige Fragen

Sie müssen das nicht allein schaffen

Wenn Sie sich in diesem Beitrag wiedererkannt haben, melden Sie sich bei uns.
Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam, was Sie gerade am meisten Kraft kostet und welcher erste Schritt für Sie passt. Ohne Druck und ohne Verpflichtung.

📞 +49 151 67987306

✉️ info@gesundheitwuermtal.de

In akuten Krisen: Dieser Beitrag und die Ergotherapie sind keine Notfallhilfe.
Wenn Sie nicht mehr weiterwissen, erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall wählen Sie 112.

Melli Stemmer

Ergotherapeutin | Fachbereich: psychische Gesundheit Jugendliche & Erwachsene

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