Prokrastination bei ADHS
Die Steuererklärung liegt seit Wochen auf dem Tisch. Die wichtige Mail ist längst geschrieben, nur nicht abgeschickt. Und jeden Abend nehmen Sie sich vor: Morgen fange ich an.
Wenn Sie das kennen, vorneweg das Wichtigste: Das hat nichts mit Faulheit oder fehlendem Willen zu tun.
Bei vielen Erwachsenen mit ADHS ist ständiges Aufschieben ein typisches Zeichen, und es lässt sich gut daran arbeiten.
Sie müssen da nicht allein durch. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum ADHS und Aufschieben so oft zusammengehören, woran Sie merken, dass mehr dahintersteckt,
und wie wir Sie in unserer Praxis in Planegg dabei unterstützen.
Warum Menschen mit ADHS so oft aufschieben
Wer mit ADHS aufschiebt, will meistens. Der Kopf weiß genau, was zu tun ist. Nur der Weg vom Wollen zum Anfangen ist blockiert. Dafür gibt es gut erklärbare Gründe:
Das Startproblem: Eine Aufgabe zu beginnen, sie zu planen und dranzubleiben, sind sogenannte exekutive Funktionen. Genau die arbeiten bei ADHS anders.
Das Anfangen kostet deutlich mehr Kraft als bei anderen.
Langweiliges zieht nicht: Das Gehirn springt bei ADHS vor allem auf Neues, Spannendes oder Dringendes an.
Routineaufgaben ohne direkte Belohnung fühlen sich an wie gegen eine Wand laufen. Deshalb klappt es oft erst kurz vor knapp, wenn der Druck groß genug ist.
Zeit fühlt sich anders an: Viele Betroffene beschreiben es so: Es gibt nur "jetzt" und "nicht jetzt". Eine Frist in drei Wochen fühlt sich an wie nie. Bis sie plötzlich morgen ist.
Überforderung: Große Aufgaben wirken wie ein Berg ohne Einstieg. Wo fange ich an? Die Unsicherheit führt dazu, dass man gar nicht anfängt.
Die Angst, es nicht gut genug zu machen: Wer jahrelang gehört hat, er sei chaotisch oder unzuverlässig, entwickelt oft einen hohen Anspruch an sich selbst.
Lieber gar nicht anfangen, als wieder zu scheitern.
Das Ergebnis ist ein Kreislauf, den viele kennen: aufschieben, schlechtes Gewissen, Stress, noch mehr aufschieben. Und irgendwann der Gedanke: Mit mir stimmt etwas nicht.
ADHS bei Frauen: oft erst spät erkannt
Besonders Frauen bekommen die Diagnose ADHS oft erst im Erwachsenenalter, manchmal erst mit 30 oder 40.
Statt Zappeligkeit zeigt sich ADHS bei ihnen häufig als innere Unruhe, Gedankenchaos, Erschöpfung und eben ständiges Aufschieben.
Viele haben über Jahre gelernt, alles irgendwie zu kompensieren, und sind am Ende ihrer Kraft. Wenn Sie sich darin wiederfinden: Sie sind nicht allein, und es gibt Unterstützung.
Woran Sie merken, dass mehr dahintersteckt
Jeder schiebt mal etwas auf. Bei ADHS ist es aber ein Muster, das sich durch das ganze Leben zieht. Hinweise können sein:
Sie schieben nicht nur Unangenehmes auf, sondern auch Dinge, die Ihnen wichtig sind.
Rechnungen, Termine und Fristen rutschen Ihnen immer wieder durch.
Sie arbeiten fast nur unter Druck, kurz vor der Deadline.
Sie fangen vieles an und beenden wenig.
Sie sind oft erschöpft, obwohl Sie das Gefühl haben, nichts geschafft zu haben.
Das Aufschieben belastet Ihren Job, Ihre Beziehungen oder Ihr Selbstwertgefühl.
Wenn Sie mehrere Punkte bei sich erkennen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Eine ADHS-Diagnose stellen Ärztinnen und Ärzte. Ihre Hausarztpraxis ist eine gute erste Anlaufstelle.
Ein kleiner Tipp für heute: nur zwei Minuten
Nehmen Sie die Aufgabe, die Sie am längsten vor sich herschieben. Stellen Sie einen Timer auf zwei Minuten und machen Sie nur den allerersten, winzigen Schritt:
das Dokument öffnen, den Ordner aus dem Schrank holen, die erste Zeile schreiben. Nach zwei Minuten dürfen Sie aufhören. Oft merken Sie: Der Anfang war das Schwerste.
Und wenn nicht, haben Sie trotzdem etwas geschafft.
Ein Trick allein löst das Problem aber nicht. Dafür braucht es Strategien, die zu Ihrem Alltag passen, und genau daran arbeiten wir gemeinsam.
So unterstützen wir Sie in der Ergotherapie
In der psychisch-funktionellen Ergotherapie arbeiten wir nicht an Ihrer Willenskraft, sondern an Ihrem Alltag.
Ganz praktisch und in Ihrem Tempo:
Struktur, die zu Ihnen passt: Wir entwickeln Tages- und Wochenpläne, die nicht nach zwei Tagen in der Schublade landen, weil sie auf Ihr Leben zugeschnitten sind.
Große Aufgaben kleiner machen: Wir üben, Berge in machbare Schritte zu zerlegen und den ersten Schritt zu finden.
Hilfen von außen: Erinnerungen, Routinen, Ordnungssysteme, Timer. Was der Kopf nicht von selbst leistet, übernimmt eine Struktur von außen.
Ablenkung im Griff: Wir schauen gemeinsam, was Sie rausbringt, und gestalten Ihre Umgebung so, dass Dranbleiben leichter fällt.
Selbstvertrauen zurückgewinnen: Jeder kleine Erfolg zählt. Wir sorgen dafür, dass Sie ihn auch wahrnehmen.
Bei uns sind Melli Stemmer und Theresa Braun auf ADHS bei Erwachsenen spezialisiert. Melli hat einen besonderen Schwerpunkt auf ADHS bei Frauen.
Mehr über das Thema lesen Sie auf unserer Seite ADHS bei Erwachsenen.
Neben Psychotherapie und Medikamenten
Viele kennen bei ADHS nur zwei Wege: Medikamente oder Psychotherapie. Beides kann sinnvoll sein. Ergotherapie ist ein dritter Baustein, der genau dort ansetzt, wo es im Alltag hakt.
Sie ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, sondern ergänzt sie, ganz praktisch.
Gut zu wissen
Kassenleistung: Ergotherapie wird ärztlich verordnet. Auch Ihre Hausarztpraxis kann das.
Schnell ein Termin: Bei uns warten Sie in der Regel deutlich kürzer als auf einen Psychotherapieplatz.
Hausbesuche: Nach Absprache kommen wir auch zu Ihnen nach Hause.
Noch keine Diagnose? Melden Sie sich trotzdem. Wir helfen Ihnen, Ihre Situation einzuordnen und den nächsten Schritt zu finden.
Häufige Fragen
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Nein. Jeder schiebt mal auf. Bei ADHS ist es ein dauerhaftes Muster, das viele Lebensbereiche betrifft und meist schon seit der Kindheit besteht. Ob ADHS dahintersteckt, klärt eine ärztliche Diagnostik.
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Ganz verschwinden wird die Neigung meist nicht. Mit passenden Strategien und Strukturen gelingt es vielen aber deutlich besser, Aufgaben anzufangen und zu Ende zu bringen.
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Für die Verordnung braucht Ihr Arzt einen Grund, der nicht zwingend ADHS heißen muss. Sprechen Sie offen an, was Sie im Alltag belastet. Gern helfen wir Ihnen vorab bei der Einordnung.
Sie müssen das nicht allein schaffen
Aufschieben ist anstrengend, und auf Dauer zermürbend. Wenn Sie sich in diesem Beitrag wiedererkannt haben, melden Sie sich bei uns.
Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo es bei Ihnen hakt und wie wir Sie unterstützen können. Ohne Druck und ohne Verpflichtung.
📍 Gesundheit Würmtal, Rudolfstraße 112, 82152 Planegg